Köche+ erkunden Bio-Produkte
Exkursion zum Demeter Hof „Marienhöhe“ in Bad Saarow

Wir, die Klasse 342A+, hatten das große Glück und durften gemeinsam mit unseren Lehrern Frau Ehrke, Herrn Rohne und Herrn Müller den 200 ha großen Demeter Hof „Marienhöhe“ in Bad Saarow besuchen.

 

OSZ Gastgewerbe Exkursion Demeterhof Marienhoehe 01Chef-Landwirt Friedjof begrüßte uns zum Kick-off-meeting, gemeinsam mit Landwirtschaftsmeister Markus
Sperlich, welcher uns bereits vorab im OSZ theoretisch auf den Besuch vorbereitete und informierte.

Etwa 40 Menschen leben und arbeiten dort gemeinsam nach der Lehre des Anthroposophen Rudolf Steiners, in seinem Verständnis der Einheit von Mensch und Welt in einer biologisch-dynamischen Hofgemeinschaft und betreiben die verschiedenen Bereiche, wie den Ackerbau und Gärtnerei, die Imkerei, Backstube und Molkerei, auch die Tiere ( Kühe, Schweine, Bienen, japanische Laufenten ) werden von den liebevoll versorgt. In konventioneller Landwirtschaft würde mindestens dieselbe Fläche von nur wenigen Bauern bearbeitet werden können, jedoch unter Einsatz von Chemie und Zukauf von Futtermitteln aus Drittländern. Alle Produkte des Hofes können im eigenen Hofladen, oder auf dem Ökomarkt auf dem Chamissoplatz in Berlin-Kreuzberg erworben werden. Bevor wir dir die interessanten Einzelheiten und Besonderheiten des Landwirtschaftsbetriebes verraten, hier Grundlegung Informationen über die Landschaft und den Betrieb. Der ehemals kahle Marienhöher Hügel wird seit 1928 zu landwirtschaftlichen Zwecken betrieben und verschiedenste Obstbäume, Hecken und Felder angelegt. Auch die Auflösung der Einzelhöfe und Bildung von effektiveren Landwirtschaftsgemeinschaften (LPG)
in der DDR verschonte glücklicherweise die Marienhöhe. Die Lage und die Bodenqualität waren nicht gut und ertragreich genug. Viele Insekten, Vögel und Kleintiere haben hier ein Zuhause gefunden und erleichtern Friedjof und seinen fleißigen Praktikanten, Lehrlingen und Helfern so die tägliche Arbeit, indem unkontrolliertes einseitiges “Schädlingswachstum“ und somit der Einsatz von Chemie verhindert wird. Durch die vielfältigen Gehölze hat sich ein lebensfreundliches Kleinklima entwickelt. Auch der zugehörige Kiefernwald wird seit einiger Zeit in einen Mischwald umgewandelt.

Die nun langjährige, erfolgreiche Bewirtschaftung des überwiegend sandigen Landes ist auf die biologisch- dynamische Landwirtschaft zurückzuführen. Die Herangehensweise an alle Arbeiten ist nicht nur Ressourcenorientiert, sondern auch individuell auf die Gegebenheiten abgestimmt, und kann auch gängigen Überzeugungen der Fachleute widersprechen, Versuch und Irrtum ist völlig ok.
OSZ Gastgewerbe Exkursion Demeterhof Marienhoehe 02Seit 90 Jahren wird „auf Entzug“ gearbeitet, was bedeutet, dass der Landwirtschaft durch Verkauf der Produkte entzogene Nährstoffe nicht wieder an den Boden zurück zugeben werden, beispielsweise als Mineraldünger aus
der Chemieindustrie. Jeder Theorie und Lehrmeinungen zum Trotz, funktioniert diese Vorgehensweise jedoch durch „Bio-Dynamik“ aller beteiligten Lebewesen, berichtet Friedjof. Jetzt kann unser Hofrundgang endlich beginnen.

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Zuerst gingen wir zu der Rinderherde auf eine der Weiden bzw. in den Stall. Es handelt sich um die vom Aussterben bedrohte Rasse des Mitteldeutschen Rotviehs. Die Kühe bekommen nicht nur hofeigenes Stroh im
Stall, sondern stehen auch täglich auf der durch Klee, Wildkräuter und von Rassen begrünten Wiese und werden so langsam gemästet und können wachsen. Sie haben auch das große Glück ihre Hörner behalten zu dürfen, so wird ihnen großer Schmerz und Stress erspart. Hat eine Kuh gekalbt, wird dieses zuerst mit der Milch der eigenen Mutter aufgezogen um das Immunsystem zu stärken. Anschließend werden die Kälber mit Vollmilch ernährt bis sie in die Herde integriert werden können und mit dieser gemeinsam weiden. Weiter ging es zum riesigen Kompost.
Dieser wird vom Leihen vorerst nicht als solcher wahrgenommen, für den Hof betrieb spielt er, jedoch eine große Rolle, da hier eine Vielzahl an Bodenleben, wie Käfer und Würmer heranwächst, welche später für eine hervorragende Bodenqualität mit Wasserhaltevermögen auf den Äckern sorgen. Von den ersten Eindrücken ermüdet gingen wir in den Hofladen, welcher extra für uns öffnete, dort kauften wir verschieden Produkte, wie Brot, Butter, Käse, Wurst und Fleischwaren, Honig, Äpfel, hervorragende Birnen und Karotten, Rohmilch, sowie Joghurt und Buttermilch und verkosteten diese gemeinsam zwischen blühenden Blumen, Hecken und Bäumen. Nicht jedem von uns war der intensive, volle ursprüngliche Geschmack der Rohmilch, Karotten und deftigen Wurst und Käseprodukte bekannt. Auch die superleckeren Brotsorten, bei denen man noch richtig kauen muss, werden diskutiert. Die konventionelle, standardisierte Lebensmittelindustrie hat halt in der Geschmacksbildung ganze Arbeit geleistet. Nachdem auch der Abwasch gemacht war zog es uns zu den Sattelschweinen. Sie ernähren sich von der Milch ihrer Mütter, Stroh ausgewähltem Futter, welches am Hof anfällt, wie aussortiertes Gemüse bilden ein kleines, jedoch sinnvolles Element im Kreislauf des Hofes. Sie können sich täglich  stundenlang in Matsch und Sand suhlen und mit ihren Geschwistern spielen. Nach ca. 8 Monaten, wenn sie ein Gewicht von ca. 75 kg erreicht haben werden sie geschlachtet und in einer Fleischerei des Vertrauens zu köstlichen Spezialitäten weiterverarbeitet. Direkt neben den Schweinen befindet sich die Gärtnerei des Marienhöher Hofs. Es gedeihen der Jahreszeit entsprechende Gemüse Sorten, Blumen und Kräuter. Durch die eigene Jungpflanzenzucht wird eine große und qualitativ hochwertige, dem Boden angepasste Sortenvielfalt geschaffen. Um die Beete herum verführen die Streuobstbäume zum Naschen und klettern. Aber auch die vielen Äcker, auf denen nicht nur Getreide wie Weizen, Rogen und Dinkel angebaut wird, sondern auch Kartoffeln und Karotten reizen viele unserer Sinne. Hier wird Futter für Tiere und Mensch in einer nachhaltigen Fruchtfolge angebaut und der Boden durch Kompost und tierischen Dung bereichert. Die vielen Hecken und der Wald schützen die Felder vor Austrocknung durch den Wind. Nach vielen neuen Erkenntnissen und einer "entspannenden“ Massage durch die Rindermassage-Station gingen wir zurück in den nun offiziell geöffneten Hofladen und deckten uns mit den Köstlichkeiten ein, um auch noch an den folgenden Tagen an den sehr informativen Tag in Bad Saarow mit Markus und Friedjof erinnert zu werden. Wenn auch du Lust auf Landluft und frische Milch und Honig hast komm doch zu einen der einmal im Monat stattfindenden Hofrundgänge. Es lohnt sich.

Vielen Dank - Die angehenden Köche der Klasse 342 A+ vom OSZ Gastgewerbe Berlin.

Text: Paulina Leidloff /
Bilder: Sebastian Müller.