Warschau 2013:
Unser Team erkocht sich Gold

Aller guten Dinge sind drei – bei  der OSZ Gastgewerbe Warschau 2013 22 dritten Teilnahme einer Schulmannschaft vom OSZ Gastgewerbe beim Kochwettbewerb „Die polnische Küche in Masowien“ erkochten sich Yuliya Kiselyova und  Johanna Baumegger den ersten Platz.

Aber der Reihe nach. Bei unserem Debut im Jahr 2011 konnten wir den vierten Platz erringen. 2012 hatten wir schon einige Erfahrungen aus dem Vorjahr umsetzen können und so holte das Team vom OSZ Gastgewerbe Berlin Silber. 2013 intensivierten wir das Training mit dem Schülerinnenteam.  Die Pflichtkomponenten bestanden in diesem Jahr aus Forelle, Putenbrust und Mlekdamer Käse. In der einmonatigen Vorbereitungszeit waren die beiden Azubis insgesamt zwölf Mal zum Probekochen im OSZ. Mit einem großen Willen zur Verbesserung der Menükomponenten, der Hygiene und zur Automatisierung der Arbeitsabläufe kamen Yuliya aus dem Restaurant Reinhard’s und Johanna aus dem Hotel Westin Grand an ihren freien Tagen und vor bzw. nach der Ausbildungszeit in die Lehrküchen. Herr Truglia von der IHK zu Berlin half dem Team mit der Leihgabe eines mobilen Konvektomaten für die Trainings. Immer wieder wurden die Garverfahren sowie die Temperatur-Zeitverläufe bei der Fischterrine und der Putenbrustroulade optimiert. Anstelle vom vorgeschriebenen Mlekdamer, übte Yuliya mit einem ähnlichen Käse verschiedene Varianten von Saucen, bis sie endlich zufrieden war. Die einzuhaltene Zeit von 90 min schien zunächst nicht realisierbar. Doch nach etlichen Trainings mit der Stoppuhr konnten die beiden Schülerinnen die Speisenfolge innerhalb von 85 min zubereiten, anrichten und dabei den Arbeitsplatz sauber halten. Wie würden die beiden Köchinnen in Warschau mit der fremden Küche und den Gegebenheiten zurechtkommen?

Die Fahrt nach Warschau verlief reibungslos, so dass die Gruppe aus Berlin am späten Nachmittag in der ulitza Komorska eintraf, wo man sie sehr nett empfing. Eine Deutschlehrerin, welche auch im vorigen Jahr dolmetschte, war wieder für die Berliner Abordnung da. Die Geräte und Rohstoffe konnten verstaut und die Wettkampfküche besichtigt werden. Nach dem Einchecken im Hotel konnten die Berliner leckere Teigtaschen in einem kleinen Restaurant verkosten. Am nächsten Tag ging es gegen 7:30 Uhr  in die Gastronomieschule. Die Registrierung konnte die Gruppe als eine der ersten durchführen. In der Turnhalle begrüßte die Schuldirektorin Frau Lada die zahlreichen Gäste sowie die zwölf Schulmannschaften am Koch- und Kellnerwettbewerb. Das Berliner Team zog die Nummer 6. Das hieß, dass man in der ersten Gruppe kochte. Im Abstand von 15 min starteten die Schulmannschaften in der Wettkampfküche. Endlich war der Zeitpunkt gekommen, an dem die beiden Schülerinnen ihr Können präsentieren konnten.

In der Trainingsphase gab es teilweise Motivationsbedarf. Das war jetzt nicht nötig. Hochkonzentriert setzten die Köchinnen die einstudierten Arbeitsabläufe um. Dabei zeigten sie durch die intensive Kommunikation und das partnerschaftliche Helfen eine vorbildliche Zusammenarbeit. Vor der Wettkampfküche verfolgte Herr Siebecke als Trainer das Geschehen auf einer großen Leinwand. Dort ermöglichte eine Simultanschaltung das Betrachten der sechs Schulmannschaften. Die Zusammenarbeit in der Küche  schien zu funktionieren. Das zeigten nicht nur die fröhlichen Gesichter von Yuliya und Johanna. Die vorgeschriebene Zeit wurde sogar um 10 min unterboten. Doch wie würde die Sensorikjury die beiden Gänge bewerten? Die Gesichter der Juroren zeigten teilweise Wohlwollen und Zustimmung. Ablehnend schien keiner der Juroren zu bewerten. Aber das war wie Kaffeesatzlesen. Richtig schlau konnte man aus den Mienen nicht werden. Erleichtert und freudig kamen die beiden aus der Küche. Während des Nachmittags konnten die anderen Schulmannschaften sowie der Kellnerwettbewerb verfolgt werden. Am späten Nachmittag zeigten die Organisatoren mit einem beeindruckenden Büfett ihr gastronomisches Können. Kellnerschüler der Gastronomieschule in der ulitza Komorska begleiteten die Veranstaltung in Schuluniform mit einem perfekten Service.

Anschließend ging es in die Turnhalle zur Siegerehrung. Zur Steigerung der Spannung wurden zunächst die Kellner geehrt. Dabei kam jedes Team zur Bühne und erhielt Urkunden und Medaillen. Bei den Köchen vollzog sich die Siegerehrung analog. Nun waren alle Schulmannschaften vorne gewesen und die Platzierungen wurden bekannt gegeben. Die vierten Plätze waren vorbei. Jetzt ging es um die Edelmetalle. Trainer und Schülerinnen fassten sich an den Händen und warten auf die Bekanntgabe der Ränge. Bronze wurde mehrfach vergeben, welche die drei schwer atmen ließen. Das OSZ Gastgewerbe Berlin wurde nicht genannt. Johannas Händedruck glich einem Schraubstock. Dann wurde Silber aufgerufen. Auch hier war das OSZ nicht dabei. Das konnte nur eines heißen. Noch während der Organisator Herr Michalski das Ergebnis durchgab ertönte ein ohrenbetäubender Freudenschrei aus dem Berliner Trio. Vor Freude heulend gingen Yuliya und Johanna nach vorn und holten den Pokal. Das hatte es wohl noch nicht gegeben -  weinende Siegerinnen zu denen sich ein sichtlich ergriffener Trainer gesellte. Die Anspannung löste sich in diesen Momenten und ein Adrenalinschub ließ die drei alle Anstrengungen vergessen. Die Veranstalter honorierten das mit großem Abstand vor den Zweitplatzierten erkochte Ergebnis mit dem deutschen Lied 99 Luftballons von Nena. Nach zahlreichen Fotos nahmen die Berliner Platz und verfolgten die weitere Siegerehrung, bei der sich ein Team aus Warschau den Gesamtsieg sicherte.OSZ Gastgewerbe Warschau 2013 23

Die Veranstaltung war wieder perfekt oganisiert. Die Schulteams kochten aufgrund der internationalen Erfahrung ihrer Lehrkräfte zum Teil auf hohem Niveau. Überglücklich feierten die Berliner am Abend in der Altstadt von Warschau. Am nächsten Tag begleitete die Deutschlehrerin Frau Siwik die Berliner durch die historische Altstadt und erläuterte die Bauwerke und die geschichtlichen Zusammenhänge. Die Gruppe sprach den tiefempfundenen Dank aus und verabschiedete sich. Dieser Kochwettbewerb ist eine tolle internationale Erfahrung für die Schüler vom OSZ Gastgewerbe. Wir freuen auf 2014.

Die Speisenfolge der Siegerinnen Yuliya Kiselyova und Johanna Baumegger:

Pochierte Forellenterrine mit Wildlachskern
im Mantel von oranger und gelber Möhre
Apfel- und Merrettichschaum, marinierte Pepqiuño mit Dillfähnchen
Rettichstreifen „Wieliczka” mit Bronzefenchel
und 
 Fleur de sel, Granny Smith Elemente, Apfelblüten

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Gebratene Putenbrustroulade
in der Crêpehülle von Roter Bete mit Mangold und Estragon
Mlekdamerschaumsauce, gelbe Betechip, Sanddorn- und Holundermark
karamellisierte Walnüsse, glasierter Minipatisson „Zolotije”, Buchweizensoufflee
Rote Betesprossen, gegrillter Kräuterseitling
mit ziseliertem braunen Champignon

Niklas Siebecke
Fachbereichsleiter Technologie der Speisenbereitung